Hussitischer Priester mit Monstranz








Sigismund

3. Die hussitische Bewegung und die Voraussetzungen für die Schlacht

Ohne Zweifel: die mittelalterliche Kirche hat grosse Leistungen vollbracht; die Kirche spannte das "soziale Netz"; sie baute die grandiosen Kathedralen, die Theologie in Stein versinnbildlichten; Bildung und Kultur wurden hauptsächlich durch die Kirche getragen; Religiosität durchdrang das gesamte Leben und gab den Menschen Sinn, Halt, Trost und Hoffnung. Wir, die wir uns anschicken, das Christentum zu entlassen und allenfalls nur noch "den Geruch der leeren Flasche wahrnehmen", können uns die Fülle des Kirchlichen dieser Zeit kaum noch vergegenwärtigen.

Dennoch, wir können uns aber auch kaum noch die Auswüchse der Kirche vorstellen. Oft "regierten" mehrere Päpste, die mit kirchlichen Sanktionen weltliche Politik trieben; so exkommunizierten die Päpste ihre Gegenpäpste und deren Anhänger gegenseitig, bis die gesamte Christenheit von irgendeinem Papst exkommuniziert war. Menschen wurden von ihren Eltern in den Dienst der Kirche gezwungen, und es nimmt nicht Wunder, dass die so "versorgten", in ihrem Amt nur die eine Möglichkeit verwirklichten, gut zu leben. Wie alle Hierarchien neigte auch die kirchliche dazu, sich starr, unbeweglich und hart zu geben.

In der Christenheit machten sich Strömungen bemerkbar, die solche und andere Missstände beseitigen wollten, die ihren Christus unter der Schuttmasse von Worten, Talaren, Bildern, Bauwerken und Lieblosigkeiten wiederentdecken wollten. Der Ruf nach Reformen wurde immer lauter, und diese Strömungen trieben die hussitische Bewegung am stärksten an.

Aber auch die Vormachtstellung der Deutschen in Böhmen, die fehlende Möglichkeit der Tschechen, im kommunalen Leben politisch handeln zu können, und die Armut auf dem Lande trieben die Umwälzungen voran.

Das geistige Haupt der reformatorischen Bewegung, Jan Hus, wurde 1415 auf dem Konzil zu Konstanz verbrannt. 1419 begann die offen Erhebung gegen den böhmischen König aus den Hause Luxemburg und gegen die Kirche. König Wenzel IV.hatte zwar zunächst die Reformbewegung unterstützt, als aber die Forderungen immer mehr radikalisiert worden waren, hatte er Hus und seine Anhänger fallengelassen. 1419, im Jahre der offenen Erhebung, starb Wenzel. Sein Bruder der deutsche König Sigismund, wollte nun sein Erbe, das Königreich Böhmen, übernehmen, der Krieg begann. Ein Heerzug nach dem anderen zog nach Böhmen, und ... wurde geschlagen. Bald fielen die Anhänger des Jan Hus, die Hussiten, in die Nachbarländer ein. Dazu veranlassten sie mehrere Gründe. Hauptsächlich mussten die hussitischen Heere versorgt werden, man machte also Beute. Die Böhmen wollten aber auch ihre Ideen "internationalisieren", ihre Ideen verbreiten. In vielen deutschen Städten und kleineren Gemeinden gab es Anhänger der hussitischen Bewegung. Das Lodern der Scheiterhaufen zeigte, wie sehr Kirche und Fürsten die neue Unruhe fürchteten.

Dabei verkörperte die Bewegung nicht einen "ideologischen Einheitsblock"; sondern wie bei jeder Revolution bewegten sich politische, nationale, soziale und religiöse Ideen, Interessen und Vorstellungen nebeneinander, miteinander und gegeneinander. Zum Teil wurden Gegensätze mit Feuer und Schwert ausgetragen. Also auch Bürgerkrieg! Man katalogisiert heute die Hussiten grob in Radikale und Gemässigte. Zwar wird dieses Schema der hussitischen Vielschichtigkeit nicht gerecht, es hilft uns aber, Ordnung in dem Chaos zu sehen. Die Radikalen erstrebten ein einfaches, priesterloses Christentum in brüderlicher Gleichheit, sie radikalisierten auch ihre moralischen Forderungen; Nichttschechen wurden in ihren Reihen willkommen geheissen. Die Gemässigten wollten die Vormachtstellung der Deutschen brechen, die kirchliche und die weltliche Hierarchie sollten weiter bestehen, sie sollten aber ihre Abhängigkeit von Rom und vom Reich verlieren. Wir erkennen, dass die Gegensätze der Hussiten früher oder später zur offenen Auseinandersetzung führen mussten. So schlugen am Ende auch nicht äussere Feinde die Hussiten, sondern sie selbst vernichteten sich 1434 in der Schlacht von Lipan (s.u.). Bis dahin aber hielt sie der gemeinsame Gegner zusammen.

So auch vor Pilsen. Pilsen, die reichstreue und katholische Stadt, wurde ab Sommer 1433 von einer hussitischen Gesamtstreitmacht unter Prokop dem Kahlen oder dem Grossen belagert. Mit dieser Belagerung übten die Böhmen Druck auf das Konzil von Basel aus.

Am meisten gefährdet war jetzt die Oberpfalz und zwar der Herrschaftsbereich des Pfalzgrafen Johann, der "Neunburger und Neumarkter". Er rief um Hilfe, nach Amberg, nach Straubing und nach Nürnberg, denn der Einfall der Hussiten war nur noch eine Frage der Zeit. Als die Hussiten dann tatsächlich angriffen, sandte nur sein Schwager aus Straubing ein Kontingent nach Neunburg, aber das kam zu spät.

Am 16. September schickte Prokop den Feldhauptmann Johann Pardus mit einem Teil des Belagerungsheeres zum Beutemachen in die Oberpfalz. Aus Taus stiess Jan Rzitka mit einem Kontingent der wehrhaften und gefürchteten Choden dazu.
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