Kampfkarren der Hussiten mit Positionsfahne; die Wagenwand ist durch starke Bohlen verstärkt

4. Die Wagenburg

Wir hörten, dass die Hussiten ein Reichs- und Kreuzzugsheer nach dem anderen schlugen. Wie gelang ihnen das? Zunächst beseelten sie revolutionärer Ernst und religiöse Energie. Daneben verhalf ihnen aber auch die Taktik der Wagenburg zu den Siegen. Jan Zizka, ihr genialer Feldherr, verzagte nicht an der geringen Zahl von eisenbewehrten schweren Reitern in ihren Reihen. Er entwickelte die Wagenburg zu einem Instrument des Sieges weiter. Wagen wurden an den Seiten mit dicken Holzbohlen verstärkt und boten so Schutz gegen jedes Büchsen- und Armbrustfeuer. Aus diesen Wagen bauten die Verteidiger auf Anhähen rechteckige oder ovale Wagenburgen. Meist fuhren sie dabei zu mehreren Mauerringen aus Karren auf. Beim Zusammenfahren konnten die Hussiten am ehesten geschlagen werden, deshalb musste schnell aufgefahren werden; dazu kennzeichneten sie das erste Fuhrwerk einer Wagenzeilen mit Fahnen, so dass jeder Wagenführer wusste, wo er sich einzuordnen hatte. Eingänge an den Schmalseiten wurden durch Setzschilde und Fusssoldaten gedeckt. Das Gelände vor den Wagen verstärkten die Verteidiger mit Gräben, Palisaden, Balken oder Stolperhindernissen. Wenn die ritterlichen Heere angriffen, eröffneten die Böhmen Salvenfeuer und fegten die Reiter kraft ihren gefürchteten mit Eisennägeln beschlagenen Dreschflegeln von den Pferden, wenn sie an die Wagen herangekommen waren. Gelang es den Angreifern in die Ordnung der Wagenburg einzubrechen, kamen sie vom Regen in die Traufe, jetzt droschen die Hussiten von vorne und hinten auf sie ein. Wandten die Feinde sich zu Flucht, öffneten die Hussiten die Tore und fielen mit der innerhalb der Wagenringe bereitgehaltenen leichten Reiterei den Fliehenden in den Rücken. Den Rest übernahm das Fußvolk.


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