Ein Ritter aus dem Geschlecht der Zenger. Die Kettenhemden sind weitgehend durch Blechplatten ersetzt.






Ein Söldner zu Fuß

6. Das pfalzgräfliche Heer

Zurück nach Neunburg in das Jahr 1433. Das Ritterheer des Hochmittelalters, in dem der schwere mit Eisenrüstung geschützte Reiter allein den Kampf entschieden hatte, hatte dem Heer aus verschiedenen Truppengattungen Platz gemacht. Neben Rittern kämpften leichte Reiter, Armbrustschützen standen neben Büchsenschützen, berittene Schützen und Artillerie schossen auf den Gegner. In der Schlacht von Tannenberg 1410 sehen wir deshalb den polnischen König die einzelnen Truppenkörper vom "Feldherrenhügel" aus führen, während sein Gegner, der Hochmeister des Deutschen Ritterordens, sich als "Eppocheverschlepper" mit gezücktem Schwert ins Kampfgetümmel wirft und die Übersicht verliert. Ein Heer dieser Zeit konnte sich aus fünf Teilen der bewaffneten Macht zusammensetzen:
  1. Adlige Lehnsleute des Herrschers mit ihrem adligen und nichtadeligen Gefolge;
  2. "Diener von Haus aus", d.h. Nichtlehnspflichtige mit denen der Herrscher Dienstverträge abgeschlossen hatte;
  3. Fussvolk und Artillerie aus den Städten und Märkten;
  4. das "Landaufgebot" der Bauern;
  5. berittene und unberittene Söldner.
Die Bürger und Bauern durften in der Regel nur zu Verteidigung des Landes eingesetzt werden, nicht aber zu einem Kriegszug in ein fernes Land oder in einem der vielen Fehden; die Einsatzdauer außerhalb der Mauern war auf einen oder wenige Tage befristet. Die Kontingente der Kommunen waren zahlenmässig verbrieft, sie bestanden aus einem Teil der männlichen Bevölkerung, der mit steigender Gefahr erhöht werden konnten. Es musste aber sicher gestellt bleiben, dass die Verteidigungsfähigkeit der Befestigungsanlagen erhalten blieb, und dass die Landwirtschaft weiter produzierte. Waffen und Wehrfähigkeit wurden von Amtspersonen im Auftrag des Herrschers ständig überprüft, in unserem Fall von dem Adligen Hans Egerer. Mit großen Mühen stellte Herzog Johann sein Heer auf. Es setzte sich zusammen aus: 200 schweren Reitern, adligen und nichtadeligen; aus etwa tausend Bürgern und Bauern aus den Dörfern und Städten, davon trugen zwei Drittel Stangenwaffen und ein Drittel Büchsen und Armbrüste. Das Fußvolkes führten Rinold, Pfleger zu Bruck, und sein Vetter Georg Pladeckh. Der Schützenhauptmann schrieb sich Georg Heyraus von Stockenfels. Das Panier trug der Ritter Wilhelm Paulsdorfer (Paulsdorf bei Amberg). Als oberster Hauptmann führte Hindtschi Pflueg von der Schwarzenburg das Heer. Diese Tatsache erstaunt uns in zweierlei Hinsicht: Zum ersten führte damit kein direkter Vasall des Pfalzgrafen das Heer, sondern ein "Diener von Haus aus" (s.o.), denn die Schwarzenburg bei Rötz lag nicht im Herrschaftsbereich des Pfalzgrafen. Der Streit mit einem darüber gekränkten Lehnsmann des Landesherren ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Zum zweiten führte der Pfalzgraf nicht persönlich in der Schlacht. Dies erstaunt umso mehr, als Johann sich stets als unverdrossener, tapferer Ritter gezeigt hatte. In dem Theaterstück "Vom Hussenkrieg" heisst es einmal, dass Johann aus politischen Gründen der Schlacht fernblieb. Dies wäre zwar ausgesprochen vernünftig gewesen, denn wer sollte die Hussiten und die raffgierigen "Vettern" nach einer verlorenen Schlacht aufhalten, wenn nicht Johann? Er war aber nicht der Mann, der je als "politische Persönlichkeit" einer Schlacht fernblieb. Er hatte die Schlacht angeortnet, er erschien nach dem Kampf auf dem Schlachtfeld. In einer zeitgenössischen Quelle heisst es, die Vasallen "verboten" ihm, in der Schlacht mitzukämpfen. Vielleicht machte hier der Ritterbund der Einhörner seinen EInfluß geltend. Bedenken muß man auch, dass Johann als alter, kranker Mann eine untragbare Belastung für das zahlenmässig unterlegene Heer darstellte. Zu seinem Schutz hätten zusätzlich Reiter abgestellt werden müssen, und davon standen ohnehin nicht genügend zur Verfügung
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