7. Die Schlacht von Hiltersried
Die Hussiten ziehen raubend und plündernd nach Murach, das sie vergeblich belagern. Auch Nabburg kann sich halten. Aber in Schwarzhofen und anderen Dörfern machen sie Beute. Am Montag, dem 21.September, marschieren sie nördlich von Neunburg vorbei, zurück nach Osten. Es ist für den mittelalterlichen Menschen ein besonderer Tag: Der des Evangelisten Matthäus.Das oberpfälzer Heer sammelt sich in Neunburg, zieht auf die Schwarzenburg. Dort erfährt Hindtschi Pflueg, dass die Hussiten vermutlich planen, ihre Wagenburg bei Hiltersried aufzustellen. Er setzt auf Schnelligkeit und Überraschung; eine andere Chance, die zahlenmässige Überlegenheit des Gegners zu zu überwinden, sieht er nicht. Die Hussiten müssen in ihrem schwächsten Moment angegriffen werden, dann nämlich, wenn sie zu Wagenburg auffahren. Das Heer muss kurz hinter den Hussiten marschieren, fast schon parallel zu ihnen. Da dieser Plan unsicher und riskant erscheint, kommt es zu Widerstand: Rueger Warperger, ein direkter Lehnsmann Johanns, vermutlich ohnehin gekränkt, dass dem Pflueg, einem Nichtvasallen, das Kommando übertragen wurde, fordert, das "geschick" zu machen "ohn allss gefähr" und nach "höfelichem Suchen", das heisst, die Schlachtordnung erst nach "vorschrifsmässiger" Aufklärung aufstellen. Dieser sichere Weg bedeutet, den Sieg garantiert zu verschenken. Der Schwarzenburger setzt sich hart an der Beleidigung argumentierend durch. Das Heer marschiert nach Hiltersried und greift an. Es ist Vesperzeit, im Mittelalter keine Zeit mehr eine Schlacht zu beginnen. Die Hussiten, "nit bereit", haben den Aufbau der Wagenburg noch nicht abgeschlossen. Die Oberpfälzer, der ewigen hussitischen Drangsale überdrüssig, sind begierig auf den Kampf, auch dies ungewöhnlich, denn man versucht, jedem Kampf auszuweichen.
Eine weitere Überraschung trägt zur Niederlage der Hussiten bei:
Die Taktik der Oberpfälzer. Die Hussiten stellen ihre Wagenburg mit der Langseite gegen Hiltersried auf, von dort droht die größte Gefahr. Zunächst überschütten die oberpfälzer Schützen die Hussiten mit Armbrustbolzen und Kugeln, dann stürmen die Reiter die Schmalseite der Wagenburg im Keil an. Im ersten Glied greifen drei Männer an, im zweiten fünf, im dritten sieben, im vierten elf. Hinter dem Keil bilden die übrigen ein Rechteck, elf Glieder breit, sechzehn tief. Wir kennen die Namen aller Ritter der Spitzenaufstellung:
Im ersten Glied reiten der siebzigjährige Hansen Zengers (Hans Zenger) von Schwarzeneck und Regenstauf, Vlrich Warperger von Kürnberg (bei Stammsried) und Marquart Stör (von Störnstein bei Neustadt a. d. W.). Im zweiten Glied: Ulrich Turlinger (Thierlstein bei Cham), Ulrich Fronberger (bei Schwandorf), Heinrich Härtenberger, Friedrich Pertoltzhöfer (im Murachtal) und Hans von Rohrbach. Rechts neben dem Bannerträger im dritten Glied an übernächster Stelle galoppiert Fridrich von dem Wolfstein (bei Neumarkt), er wird später, als der Bannerträger getroffen wird, die Fahne übernehmen.

Damit sich nicht zweitausend Hussiten auf zweihundert Ritter stürzen, geht das Fussvolk die Wagenburg von aussen an.
Auf dem zeitgenössischen Kupferstich erkennt man zwar ein paar Spiessträger, ihre Beteiligung am Sieg allerdings bleibt ungewürdigt. Es waren ja nur Bauern! Der Keil dringt in die Wagenburg ein.
Ott Ostmann beschreibt die Vorgänge so:
Das Feld behalten oder behaupten bedeutet, die Schlacht gewinnen. Ein mörderisches Gemetzel beginnt, die Hussiten versuchen nach Osten zu fliehen, die Oberpfälzer setzen nach. Etwa eineinhalbtausend Böhmen fallen. Dreihundert Hussiten geraten in Gefangenschaft. Die beiden Anführer, dreissig Reiter und hundert Fußsoldaten können sich nach Pilsen durchschlagen.
Die Verluste bei den Oberpfälzern halten sich zunächst in Grenzen, es fallen in der Schlacht vierzehn Bürger und Bauern, später werden noch 121 ihren Verwundungen erliegen. Wie heisst es im Stück "Vom Hussenkrieg"? Das Schlimmste nach einer verlorenen Schlacht ist eine gewonnene.

"Die große Schlacht", Kupferstich ca. 1435
